"Afrika auf den zweiten Blick"

Ausstellungen und Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit dem
Künstlerbund Heilbronn e.V.
Sommer 2003

Idee und Konzeption: Jutta Klee
Ausstellungskonzept und Organisation:
Gabriele Wanner
Volkmar Köhler
Rüdiger Hirschbiel

Signet 'Afrika auf den zweiten Blick' - von Jutta Klee

Das Kunst- und Kulturprojekt ist nach der Veranstaltung von 2002 "Blick nach Afrika" eine weiterführende Begegnung und Auseinandersetzung mit der afrikanischen Kunst und Kultur in ihren vielseitigen Aspekten.

 

Bau einer traditionellen Schilfhütte

Artikel aus: Heilbronner Stimme von Martin Nied

Jutta Klee organisierte den Bau einer afrikanischen Hütte

Ein Hauch von Afrika beim Hagenbucher

von Martin Nied

Zwei Samstage hat die kleine Gruppe aus Deutschen und Afrikanern gebraucht, um eine echte afrikanische Hütte zu bauen. Sie steht auf dem Gelände des Biergartens beim Hagenbucher. Dass sie gerade dort gebaut wurde und nun für Besucher des Biergartens offen steht, ist dessen Betreiber, Thomas Aurich zu verdanken.

Die Idee zum ihrem Bau hatte Jutta Klee vom Heilbronner Künstlerbund im Rahmen der Aktionswochen ,,Afrika auf den zweiten Blick". Vielleicht ist es ja gar nicht so zufällig, dass sich ausgerechnet im Land der Bausparkassen und Häuslesbauer eine bunte Gruppe von Menschen zusammengefunden hat, um diese einfache Hütte nach afrikanischem Vorbild zu bauen.

Ausschließlich aus natürlichen Baumaterialien wie Holz und Schilf sollte sie bestehen. Doch das afrikanische Vorbild geht weiter. So steht jedes Bauwerk auch für die Kultur und Lebensweise der Menschen, die sie bauen und bewohnen.

In seiner Heimat, dem Kongo, so Emmanuel Bouetoumoussa, leben etwa 20 bis 30 Menschen, also vier bis sechs Familien, in einem Dorf. In einer Hütte ist die Feuerstelle. 

Dort wird nur gekocht. Irgendwo in der Mitte des Dorfes steht eine große, nach allen Seiten offene Hütte. Dort trifft man sich abends nach der Arbeit zum gemeinsamen Essen und Reden. Wasser gibt es nur aus Brunnen, Strom überhaupt nicht und der in Frankfurt lebende Emmanuel Bouetoumoussa findet heute, dass das ruhig so bleiben könne. Denn solche zivilisatorischen Errungenschaften ,,fördern nur den Individualismus" und das sei nicht gut. Denn in den afrikanischen Dorfgemeinschaften herrsche eine sehr große Solidarität. Alle Probleme werden gemeinsam gelöst. Niemand sei reich aber eben auch niemand arm.

Für Jutta Klee steht die Hütte für die afrikanische Tradition aber auch für Schutz und für Begegnung und Kommunikation. Thomas Aurich jedenfalls will sich und seinem Sohn diese Erfahrungen des gemeinsamen Bauens mit einfachsten Materialien nicht vorenthalten: ,,Ich habe meinen Kindern gezeigt, wie man mit Hilfe von Fichtenholzstämmen ein Zelt baut, weil wir immer zusammen Zelten gehen." Er sei froh, dass sein Sohn sehen könne, wie man in Afrika Hütten baut und freue sich darauf, wenn die Kinder die Hütte für sich besetzen.

Die afrikanische Schilfhütte entstand unter Anleitung von Emmanuel Bouetoumoussa in Zusammenarbeit mit Studenten der Fachhochschule Heilbronn.

Aufstellen des Gerüsts
Das Gerüst der Schilfhütte steht
Auflegen des Schilfs

Freude über das Bauwerk

Ausstellung

mit Arbeiten von Jems Koko Bi und El Loko (Ausschnitte)


Vorträge und workshops


Die Funktion der Mythen in der afrikanischen Märchenwelt

Emmanuel Bouetoumoussa

 

Emmanuel Bouetoumoussa

Vortrag von Lilo Klug

Die Kultur der Ashanti -
das matrilineare Erbe in Ghana

Vortrag von Lilo Klug


Zu Gast bei Göttern, Priestern
und einem König
im westafrikanischen Benin

Bericht von Dr. Iris Simone Engelke

Bericht von Dr. Iris Simone Engelke

Vortrag der Philosophin Anke Graneß

Die Philosophin Anke Graneß bei ihrem Vortrag 

'Ethik in Afrika - Das Netz des Seins' 

Artikel aus: Heilbronner Stimme von Leonore Welzin  zum Vortrag von Anke Graneß

Weißer Fleck in der Philosophie  
Von Leonore Welzin

"Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Neger", diese Anrede aus dem Munde des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke steht in der eurozentristischen Tradition der herablassenden Attitüde, selbst respektabler Denker wie Hegel: ,,Bei den Negern ist nämlich das Charakteristische gerade, dass ihr Bewusstsein noch nicht zur Anschauung irgend einer festen Objektivität gekommen ist, wie z.B. Gott..."

Der Vortrag 'Ethik in Afrika - Das Netz des Seins' den die Philosophin Anke Graneß, eingeladen vom Künstlerbund Heilbronn im Hagenbucher gehalten hat, skizziert Positionen afrikanischen Denkens. Im ungelösten Spannungsfeld zwischen traditionellen Moral- und Wertvorstellungen und

westlichen Vorstellungen suche das postkoloniale Afrika nach neuen Orientierungsangeboten und stünde als Folge der so genannten Globalisierung zunehmend unter Modernisierungsdruck. Die kundige Wissenschaftlerin aus Schwerin war selbst mehrfach in Afrika. Sie konstatiert, dass die betonte Idealisierung afrikanischer Werte, wie sie Negritude und Ethnophilosophie vertreten, nur die Umkehrung binärer Konzepte sei. Hier wird ,Schwarz zur Farbe der Schönheit und Wärme, der Begriff Neger zur stolzen Selbstbezeichnung. Die Frage bleibt: "Was kann die afrikanische Philosophie zur Lösung der brennenden Probleme des Kontinents beitragen - Als Denkansatz führt Anke Graneß in das Werk des kenianischen Philosophen Odera Oruka ein. Sein Projekt der 'Weisheitsphilosophie' ziele auf die praktische Relevanz der Philosophie, die ,,Parental Earth Ethics" , wende sich der Bewahrung von Harmonie und Gleichgewicht im gesamten "komplexen Netz des Seins" zu. Während sich ethische Konzepte in der Geschichte der Philosophie bisher auf das Wohlergehen des Individuums konzentriert hätten und die Natur ausschließlich als Quelle der Befriedigung materieller Bedürfnisse der Menschheit betrachtet worden wäre, umfasse Orukas Ecophilosophie die Totalität der Natur. Sie sei nicht mehr anthropozentrisch sondern ökozentrisch orientiert. Temporeich präsentiert die Referentin eine unglaubliche Informationsdichte und beweist in der anschließenden Diskussion, welchen Spaß interkulturelles Philosophieren machen kann.
 

Töpfern wie in Afrika

Workshop von Lore Krämer-Bacher

 

Treten des Tons Afrikaprojekt  Brennen des Tons

Programmübersicht

Datum

Thema

Ort

01.06.03 -
29.06.03

Ausstellungen
Afrika in Schmuck und Bild
Schmuckausstellung
Fotoausstellung: Afrikanische Dörfer

Galerie U21,
Heilbronn,
Uhlandstraße 21
Ausstellungen
Fr. 06.06.03

Masken - Symbole seelischer Urzustände

Galerie U21 Vortrag

Fr. 13.06. -
So. 15.06.03

Die Maske des weissen Mannes, der weis(s)en Frau Lagerhaus Hagenbucher,
Heilbronn,
Kranenstraße 2
Workshop Maskenbau /-spiel
Sa. 14.06.03 Bau einer traditionellen Schilfhütte Hagenbucher Workshop
Mi. 18.06.03 Hommage à noir Galerie U21 Film
Mi. 18.06.03 Afrikanische Lyrik Galerie U21 Rezitation
Do. 19.06.03 -
So. 06.07.03
Ausstellungen
Moderne afrikanische Kunst
Deutsche Künstler blicken nach Afrika
Traditionelle afrikanische Kunst
Hagenbucher Ausstellungen
Do. 19.06.03 Ausstellungseröffnung
Eröffnungsfest,
afrikanischer Markt,
afrikanische Speisen und Musik
Hagenbucher Veranstaltungen
Fr. 20.06.03 Moderne afrikanische Literatur
Performance
Hagenbucher Veranstaltung
Sa. 21.06.03 Verlorene Paradiese - Timbuktu Hagenbucher Vortrag mit Dias
So. 22.06.03 Die Funktion der Mythen in der afrikanischen Märchenwelt Hagenbucher Vortrag
So. 22.06.03 Gesund sein und krank sein in Afrika Hagenbucher Vortrag / Diskussion
Mo. 23.06.03 Zu Gast bei Göttern, Priestern und einem König im westafrikanischen Bénin Hagenbucher Erzählung
Mi. 25.06.03 Die Kultur der Ashanti - das matrilineare Erbe in Ghana Galerie U21 Vortrag
Fr. 27.06.03 Felsenmalerei der San Hagenbucher Dia-Vortrag
Sa. 28.06.03 Musisimuke Hagenbucher Afr. Film
Sa. 28.06. -
So. 29.06.03
Töpfern wie in Afrika Workshop
So. 29.06.03 Das Netz des Seins - Ethik in Afrika Hagenbucher Vortrag
Mo. 30.06.03 Offene Gesprächsrunde Hagenbucher Gesprächsrunde
Di. 01.07.03 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben Hagenbucher Bericht
Do. 03.07.03 Geistige und seelische Heilmethoden in afrikanischen Kulturen Hagenbucher Vortrag

© 2003 Jutta Klee

www. jutta-klee.de

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